Hausbachklamm
aus der Reihe"Geopark Allgäu" von
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Die Hausbachklamm und ihre Geschichte
Vortrag von G.Zimmer (Ortsheimatpfleger) in der FFW Weiler zum
Anlaß des Hochwassers vom 27.07.2010
Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Feuerwehrmänner!

Der Hausbach gehört einfach zu Weiler wie das Brandenburger Tor zu Berlin. Weiler ohne Hausbach wäre unvorstellbar. Er ist ein Bezugspunkt in unserem Ort wie unsere Kirche St. Blasius, der Kirchplatz, das Rat- bzw. Amtshaus, das Kornhaus und die übrigen Häuser am Kirchplatz oder entlang des Hausbaches. Das alles prägt unser unverwechselbares Ortsbild des Marktes Weiler im Allgäu. – „Mit Hausbachwasser getauft“.

Der Hausbach und die Hausbachklamm

Vor einigen Jahren gab es in der Pflanzenkundl. Schausammlung, hier in Weiler, erstmals eine umfangreiche Ausstellung unter dem Thema „Alles über den Hausbach“; wobei zahlreiche Fotos und Bilder, Pflanzen, Gesteinsarten und Textbeispiele zusammengetragen und der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Wie ich meine, die bisher aufwändigste und auch beeindruckenste Ausstellung der Pflanzenkundl. Schausammlung; damals noch unter der Leitung von Erich Gradeck.

Unser Hausbach ist ein Relikt, ein Überbleibsel der Eiszeit; er fließt seit mehr als 10 000 Jahren von den Höhen um Hochsträss-Schnellers ins Tal. Die Gesteine des Bachgrundes haben eine noch viel längere Geschichte. Ihre Schichtungen sowie im Bachbett gefundene prähistorische Funde, unter anderem Haifischzähne, versteinerte Muscheln und Blätter, weisen nach, dass vor Jahrmillionen Meerwasser unser Gebiet überflutet hat, und die Kohlenflöze im benachbarten Wirtatobel und am Hirschbergsauer Kesselbachsteg belegen, dass in unserem heutiger Lebnsraum zeitweilig eine subtropische Vegetation vorherrschte. Ich erinnere mich immer sehr gerne an die spannenden und aufschlussreichenVorträge von Dr. Scholz (Univ. München), der unsere Landschaftsentwicklung wie ein Bilderbuch der Zeitgeschichte aufblätterte.

Von der Quelle bis zur Mündung ist der Hausbach nicht viel länger als fünf Kilometer. Verfolgen wir gedanklich kurz den Weg.:

Er entspringt im Hochsträss beim Wildrosenmoos in der Nähe der Schweinhöf-Sulzberger Grenzstation, mündet bei Bremenried in die Rothach (mit „h“), die sich südlich von Langen (Vorarlberg) mit der Bregenzer Ach vereinigt und dann in den Bodensee einfließt. Hier wird der Fluss von Rheinstrom aufgenommen, der nach mehreren Wochen bei Konstanz den Bodensee wieder verlässt, dann weiter auf seinem langen Weg bei Schaffhausen über Europas größten Wasserfall stürzt, vorbei an Basel, Strassburg, Mainz und Köln sich endlich in den Atlantik ergießt.

Hochwasser

Viele von Ihnen, vor allem die jüngeren Zuhörer, kennen den Hausbach bis vor wenigen Tagen als geruhsam dahinfließendes Gewässer; vielleicht haben das rasch dahinfließende Wasser auch einige als tosenden Wildbach erlebt. Dank der Wildbachverbauung verlaufen im Allgemeinen die Unwetter heute glimpflich. In früheren Jahren war dies aber nicht der Fall. Die jüngste Katastrophe werde ich jetzt nich ansprechen, da darüber im Folgenden ja eingehend berichtet wird.

Es ist jedoch keine Überraschung, dass sich die Aufzeichnungen über den Hausbach aus früheren Jahrhunderten fast ausschließlich auf das Ausmaß der Verheerungen beziehen, die mit der Behebung der Schäden und der Bachverbauung verbunden waren.

Der Landgerichtsasseor Ludwig Fischer schrieb 1858 in einer Wettbewerbsschrift über „Das sociale Volksleben im Langerichtsbetirk Weiler:

Bei starken Regengüssen füllt selbst der bei gewöhnlichem Wasserstande harmlose und unbedeutende Hausbach mit donnerähnlichem Getöse, Rollsteine und Felsstücke mit sich wälzend sein tiefes Bett und ist im Stande, den anwohnenden Hausbesitzern zu Weiler lebhafte Besorgnisse einzuflößen“. (siehe Physikatsbericht über das Langericht Weiler im Allgäu…).

Dass derartige Ängste wohlbegründet waren, verdeutlichen auch Aufzeichnungen im „Heimatbuch Weiler im Allgäu“ (1994), das Dr. G. Wagner und ich damals verfasst haben. Hier ist nachzulesen, dass unser Hausbach 1626 das Benfiziatenhaus wegspülte. Im Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz existiert eine Beschwerde, in der steht, dass der durch den Flecken Weyler fleißende Hausbach dort nicht nur etliche Häuslein ruiniert, sondern z. T. hinweggerissen und großen Schaden angerichtet (hat).

Der Hausbach hat sich damals gewaltsam ein neues Bachbett nördlich der Kirche gesucht und geschaffen. Das alte verließ südlich der Kirche, über den heutigen Friedhofparkplatz in Richtung „Säckle“ und von dort aus weiter in Richtung der ehemaligen Gärtnerei Schmid.
1691 hat der Hausbach das an anderer Stelle errichtete Benefiziatenhaus und acht Jahre später drei Brücken weggerissen und die entlang des Baches führende Landstraße überflutet.

Vor etwas mehr als 120 Jahren, am 14. Juni 1889, berichtete das Anzeigeblatt für das westliche Allgäu:

„… mit einem Schlag schwoll der so ganz seicht, kaum trübe fließende Hausbach zum Strome an, Holzstämme und die größten entwurzelten Bäume mit sich führend. Furchtbar war das Getöse, in welches sich alsbald die traurigen Klänge der Sturmglocken mischten… Von den Straßen und Ufern wurden meterbreite Stück Erde weggerissen. Unmassen herangetriebenen kleinen und größeren Gehölzes verursachten in der Brückenwölbung an der Krone im Nu eine Stauung. Rechts und links über die Brücke raste das entfesselte Element, über all Spuren der Verwüstung anrichtend.“

Nicht nur der Ort selbst, sondern v. a. die Untertrogener Mühle war von dem Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen worden:

„Das ehedem so idyllisch gelegene traute Heim ist eine Stätte der Verwüstung. Das eng eingebettete anscheinend ganz harmlose Bächlein hat hier Unglaubliches fertiggebracht. Nicht bloß, dass viel Quadratmeter Grundstücke und Wege eingerissen sind, nein, eine förmlich kesselartige Schlucht ist entstanden und tief unten fließt der Bach und hat sich stellenweise ein ganz anderes Bett ausgesucht. An der Stelle der erwähnten Brücke ist eine weitgähnende Kluft.“

Mit diesem Naturereignis dürfte auch der Begriff „Trogener-Loch“ zusammenhängen…

Auch 1927 ist die Wucht des Wassers wieder das Thema eines Berichts und 1932 war unser Hausbach ein katastrophaler Hauptdarsteller und bewerkstelligte ein enormes Hochwasser, das auch der heilige Nepomuk an der Kornhausbrücke nicht verhindern konnte. (Nepomuk stand übrigens früher an der Schulstraßenbrücke!). – An dieses Ereignis erinnern noch Fotografien und die Hochwasserstandsanzeigen am Hause Tröbelsberger und am Bildsteinhaus in der Hauptstarße.

Enorme Wassermassen transportierten damals nach einem Gewitter ganze Bäume zu Tal in Richtung Ortskern, die sich an den Brücken stauten und zusammen mit riesigen Steinen und Felsbrocken den Durch- und Abfluss verhinderten. Mannshoch stand das Wasser im Ort und verwüstete Wohn- und Geschäftsräume. Auch die bestehnden Hausbachanlagen kamen zu Schaden. Altbürgermeister Fridolin Holzer meldete dem Amt für Wildbachverbauung, dass der von der Gemeinde erstellte Spazierweg durch den Tobel auf weiten Strecken unpassierbar sei und im Ort an vielen Stellen die Ufermauern unterspült wurden. Menschen und Häuser waren gefährdet. Die Waren der Geschäfte trieben flussabwärts, so Spielzeug vom Kaufhaus Sinds und Schuhe vom Schuhmacher Schmid. Noch lange danach wurden Kistchen aufgestellt, um den besonders Geschädigten Spenden zukommen zu lassen.

Wildbachverbauung:

Der Unwetterkatastrophe folgten umfassende Sicherungsmaßnahmen durch eine Wildbachverbauung. Träger der Kosten für den Bachunterhalt war damals der Markt, was Bgm Fr. Holzer manchen Stoßseufzer entlockte.

In der Nachkriegszeit ist die Zuständigkeit für die Wildbachverbauung in die Zuständigkeit des Staates übergegangen. Der Ausbau des Hausbaches im Ortsbereich und der Unterhalt der Wanderwege hat seither riesige Summen verschlungen. Eine der wesentlichen Sicherheitsvorkehrungen für den Markt selbst war der Bau des Wehrs auf Höhe der Sägerei Vögele (früher Altenburgische Sägerei und Mühle). Dieses Wehr wurde 1995 oder 1996 eingebaut und hat vielleicht den Ort vor dem letzten Katastrophenhochwasser vor Schlimmeren bewahrt. – Darüber aber dann später!

Die Hausbachanlagen:

Die Hausbachklamm selbst ist wie ein Bilder- und Lesebuch der erdgeschichtl. Entwicklung. Die Hausbachanlagen sind mit das Schönste was unser Markt Weiler im Allgäu an Naturschönheiten zu bieten hat. Gerade in den letzten Jahren haben Claus Wagner (Lindau) und Carl-Wilhelm Kuhn (Weiler) mittels ihrer Führungen zahlreichen Besuchern immer wieder verdeutlicht, welche Entwicklung in geologischer Hinsicht unsere Hausbachklamm geprägt hat und welch reiche Pflanzenvielfalt am Bachverlaufes den aufmerksamen Betrachter begleiten.

Der bis zur Kapfmühle führende erste Teil der Hausbachanlagen wurde 1892 auf Initiative des damals existierenden Verschönerungsvereins errichtet; 1903 erschloss der Besitzer der Trogener Mühle die Klamm und baute den Weg bis zu seinem Anwesen aus.

Am 7. Oktober 1892 berichtete die Heimatzeitung über den ersten Abschnitt der Hausbachanlage:

„Der Weg von der Lourdesgrotte (gebaut 1890) entlang des Hausbachs bis zur Kapfmühle kann als beendet betrachtet werden. … Die ganze Anlage ist solid und dauerhaft, bedarf aber noch der Vervollkommnung. Schon jetzt sind Ruhebänke und Tische, namentlich an den beiden Wasserfällen und an einigen recht lauschigen, schattigen Stellen angebracht und stundenweise kann man hier in ungestörter Weise sich dem genuss der Natur und der frischen Waldesluft hingeben und erquicken.“

Zehn Jahre später können wir in der Zeitung lesen:

„Wir sind um eine Anlage reicher geworden …
Nun haben die Hausbachanlagen eine Fortsetzung bis zur Mühle in Untertrogen erfahren. Der gegenwärtige Besitzer dieses Anwesens, Constantin Huber, hat diesen Weg unter großem Mühe- und Kostenaufwand erstellt und die Art und Weise der Anlage findet alle Anerkennung. … Wiederholt musste die Richtung geändert und viermal der Hausbach überbrückt werden. Man ist jetzt in der Lage, unter fortgesetztem Schatten beinahe ¾ Stunden nach genannter Mühle zu wandern, wo man sich bei aufmerksamer Bedienung laben kann.“

Der neue Sägmüller und Wirt hatte sich mit der Anlage eine Belebung seiner Gsststätte versprochen und richtete auch noch eine Badeanstalt ein, die er zwei Jahre später mit folgendem Inserat den Gästen und Touristen mit folgendem Wortlaut empfahl:

„Gute Bad & Heilquelle, kalt und warm mit 8 Kabinen, Fremdenzimmer, neuer Saal, Gartenhausanlage und sonstige schattige Sitze im Freien; reiner Wein, vorzügliches Bier direkt vom Eiskeller, gute kalte und warme Küche.“

Geführte Wandergruppen erlebten einen enormen Aufschwung („KdF“). Mit dem Ausbruch des II. Weltkr. kam der Stillstand und mit der zunehmenden Motorisierung in der Nachkriegszeit ein Umsatzrückgang, von dem sich die Ausflugswirtschaft nicht mehr erholte.

Zunehmend wurde auch der Sägereibetrieb unrentabel und so verkaufte die Familie Stöckeler die Trogener Mühle 1970. Das endgültige Aus kam am 17.12.1971 als das Anwesen unter nie aufgeklärten Umständen einem Großfeuer zum Opfer fiel. Das Gelände wurde eingeebnet und nur eine alte Esche hat überlebt. – Schade, ich bedauere persönlich das zutiefst!

Mit dem Ende der Trogener Mühlenwirtschaft ist die Hausbachklamm um ein lohnendes Wanderziel ärmer geworden – an Attraktivität hat sie aber sicher nicht verloren.

Begründung:

Zum Einen hat die Gemeinde Oberreute den Wanderweg um ein erdgeschichtlich und botanisch interssantes, bis zum Gasthof Traube in Schnellers führendes Teilstück erweitert und führt damit den Wanderer ins Quellgebiet des Hausbachs im Wildrosenmoos und in die Nähe der existierenden Wirtschaften.

Zum Anderem gibt es den lauschigen Wanderweg mit seinen zahlreichen Bänkchen auch heute noch; ich denke hier an die Liebespärchen und an solche die nicht gesehen werden wollen oder dürfen um gewisse Zärtlichkeiten auszutauschen. – Von einer Postkarte, die in Weiler einer „Dame“ zugestellt worden sei, hat zu vorgerückter Stunde unser ehemaliger Ortsbriefträger Donat Faller erzählt:

„Liebe Marie, komme heute Abend in die Hausbachanlagen bei der Lourdesgrotte, aber ohne Hosen, weil ich dir etwas Wichtiges mitzuteilen habe.“

„Die Hexe von Lolarut“

Friedl Harrer (+ 2004) hat erzählt, dass 1920 in den Hausbachanlagen ein Teil des „mitreißenden Volksfilmwerks“ „Die Hexe von Lolaruh“ gedreht wurde. So stand damals in der „Münchener Zeitung“ folgender Bericht:

„Ein junger schottischer Graf verführt eine Dorfschöne, lässt sich mit ihr heimlich, doch nur angeblich trauen.
Er verstößt sie, um sich standesgemäß zu verehelichen, wird, ohne es zu wollen, Bigamist.
Versuchter Kindsmord, Irrenhaus, Sichwiederfinden, Gift Revolver …
Der Papa Graf hat es ebenfalls so getrieben.
Da ist jedoch eine unheimliche, wahrsagende Hexe und ein wilder Kerl und unglückliche Menschen, die entscheidend in die Handlung eingreifen.“

Eine (andere) Anekdote:

Anton Gretler war ein begeisterter Autofahrer, aber kein Fahrkünstler. Bei der Fahrt durch den Ort durchbrach er mit seinem PKW das eiserne Geländer und landete beim Kaufhaus Sinds im Hausbach. Seine schlagfertige Antwort: „Jo mei Anton, was hoscht du dir denn au dabei denkt ?“ – „Teifel mach de Sack auf, de Gretler kut!“

Ein Besucher beim Ihlerwirt hat zu tief ins Glas geschaut und bei Nachhauseweg verspürte er ob der vielen Körperflüssigkeit ein dringendes Bedürfnis. Er verlor bei Pinkeln am Hausbachgeländer das Gleichgewicht, stürzte kopfüber in den Bach und ertrank!

Meine Damen und Herren, es gäbe sicher noch abendfüllende Nachrichten und Erzählungen über den Hausbach und seinem langen Lebenlauf.

Der Hausbach ist normalerweise kein beängstigender reißender Bach. Er benötigt auch nicht den Stellenwert sich dem Eistobel oder die schaurrig-schöne Breitachklamm zu vergleichen. – Aber man kann die Hausbachklamm ohne Eintritt besuchen, die Menschen finden ihre Ruhe darin, Kinder und Jugendliche waten gerne in den ausgewaschenen Sandsteingumpen oder fischen schwarz und sie gelangen nach einem Spaziergang oder einer Wanderung mitten in unseren schönen Markt Weiler im Allgäu an ein lohnenswertes Ziel.

Lassen Sie mich meine Ausführungen enden mit einem Gedicht, das unser Heimatdichter Fridolin Holzer dem Hausbach gewidmet hat:

- „In dunklen Felsenklüften hat er sich ein Bett gegraben.
Ach wie unscheinbar dagegen ist der menschen stolz Gehaben
Schäumend, jauchzend stürzt das Wasser über Fels und Gletschermühlen.
Um im Urgestein der Erde neue Wege aufzuwühlen.
Sinnend sitze ich am Ufer, losgelöst von Erdenschwere.
Ist es nicht des Schöpfers Stimme, die ich über´m Wasser höre?“

Vielen Dank für Ihre unermessliche Aufmerksamkeit!

Gerd Zimmer, Ortsheimatpfleger, Weiler im August 2010

mit freundlicher Genehmigung (Text und Bild) Bayerisches Geologisches Landesamt - Scheidegger Wasserfälle und
Tobias Schlechta, Klasse 7M VS Weiler, 88171 Weiler